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Editorial

Migrationspolitik braucht eine breite Akzeptanz

Die Schweiz hat eine starke humanitäre Tradition und gehört zu den Ländern mit der höchsten Zahl an Asylbewerbern pro Kopf der Bevölkerung. Unser Land ist aber vor allem auch Anziehungspunkt für gut qualifizierte ausländische Fachkräfte. Gemessen am Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von gut 30% gehört die Schweiz – wie etwa Australien, Neuseeland oder Kanada – zu den typischen Einwanderungsländern.In den letzten zwanzig Jahren ist die Nachfrage unserer Unternehmen nach höher qualifizierten Fachkräften stark gewachsen. Die Schweiz hat es verstanden, ihre Zuwanderungspolitik an die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen. Zentral waren dabei die Abschaffung des Saisonnierstatuts in den 1990er-Jahren und die schrittweise Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU seit 2002. Der erleichterte Zugang zum europäischen Fachkräftemarkt hat die Standortattraktivität der Schweiz für Unternehmen weiter erhöht und die Schaffung zahlreicher hochwertiger Arbeitsplätze ermöglicht. Migrationspolitik benötigt jedoch eine breite gesellschaftliche und politische Akzeptanz. Drei Punkte sind für die Schweiz aus meiner Sicht zentral: Erstens muss die Integration der ausländischen Bevölkerung gelingen. Die Arbeitsmarktintegration der ausländischen Bevölkerung ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Verbesserungspotenziale bestehen vor allem bei früheren Zuwanderungsgenerationen oder bei anerkannten Flüchtlingen und vorübergehend Aufgenommenen. Zweitens müssen berechtigte Anliegen der einheimischen Bevölkerung berücksichtigt werden. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung sowie bei der Arbeitsmarktpolitik wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Unternehmen ihren Fachkräftebedarf weitgehend im Inland decken können. Mit den flankierenden Massnahmen sorgen wir dafür, dass die ausländische Konkurrenz akzeptierte Mindeststandards einhält. Drittens ergeben sich aus der Zuwanderung regional unterschiedliche Herausforderungen, beispielsweise im Bereich der Raumentwicklung oder beim Ausbau der Infrastruktur. Das Schweizer Volk hat die heutige Ausländerpolitik mitgestaltet und mehrfach bestätigt. Dahinter steht das Bewusstsein, dass die ansässige Bevölkerung von der Zuwanderung vorwiegend profitiert. Eine Debatte über die Bedeutung, aber auch die anstehenden Herausforderungen der Zuwanderung ist deshalb ausgesprochen wichtig. Diese Ausgabe des Magazins «Die Volkswirtschaft» soll dazu einen Beitrag leisten.

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Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch
Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch
Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO



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