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Editorial

Erfolgsfaktoren der Vergangenheit = Rezepte für die Zukunft?

Am 10. Februar 1920 ist erstmals «Der Schweizerische Arbeitsmarkt», ein Vorgänger der Publikation Die Volkswirtschaft, erschienen. Dies ist ein geeigneter Anlass, sich in dieser Jubiläumsausgabe der Zeitschrift mit der Wirtschaftsentwicklung der Schweiz in den vergangenen neun Jahrzehnten auseinanderzusetzen. Wir wollen analysieren und bilanzieren, welches die wirtschaftlichen Stärken der Schweiz in der Vergangenheit waren und welche Faktoren uns bei der Bewältigung der heutigen Herausforderungen helfen. Die Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzpolitik wurde in unserem nach aussen offenen Land mit kleiner Bevölkerung und mittelgrosser Wirtschaftsleistung durch unser stark auf Eigenverantwortung ausgerichtetes Selbstverständnis gefördert. Ausdruck davon ist der in den letzten 90 Jahren bestehende wirtschaftliche Pioniergeist, der bereits im 19. Jahrhundert einsetzte. Zusammen mit einem leistungsfähigen Bildungssystem und einem flexiblen Arbeitsmarkt bildete sich eine hoch qualifizierte Arbeitnehmerschaft. Auf dieser Basis entwickelten sich Branchenstrukturen, die über den gesamten Zeitraum hinweg wettbewerbsfähig genug waren, um sowohl von der guten Weltkonjunktur als auch von der wachsenden Nachfrage nach schweizerischen Qualitätsprodukten zu profitieren und die Zeiten von Rezession und Depression zu überwinden.Der Übergang von der handwerklich orientierten zur wissensbasierten Wirtschaft ist weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Die Schweiz ist heute ein hervorragender Standort für Innovation und Unternehmertum. Diese Stärken gilt es mit der laufenden Weiterentwicklung möglichst innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen auszubauen. Denn, wo harter Wettbewerb herrscht, bedeutet Stillstand an der Spitze zwingend Abstieg ins Mittelmass.In den kommenden Jahren werden einige Herausforderungen auf uns zukommen, deren Bewältigung für die Fortsetzung des wirtschaftlichen Erfolgs von Bedeutung ist. Innenpolitisch etwa die Sanierung der Sozialversicherungen sowie Erhaltung und Ausbau der Infrastruktur und aussenpolitisch das Verhältnis zur EU. Die Schweiz ist verletzlich. Ihre beste Strategie besteht darin, weiterhin das eigene Haus wirtschafts- und finanzpolitisch in Ordnung zu halten, aber auch gute und gedeihliche Beziehungen mit unseren wichtigsten Handelspartnern zu pflegen. Damit legen wir die Basis für eine prosperierende Wirtschaft und Gesellschaft.

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Jean-Daniel Gerber
Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO



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