Editorial
Handeln - aber nicht das Kind mit dem Bad ausschütten
Angefangen hat alles in einem vergleichsweise kleinen Teilmarkt, dem Markt für Hypotheken geringer Bonität in den USA. Daraus wurde vorerst ein nationales Bankenproblem. Dabei blieb es nicht. Über das heute weltweit vernetzte Finanzsystem entwickelte sich eine globale Finanzkrise, wie sie die Welt seit Generationen nicht mehr gesehen hat. Dank massiven Interventionen von Regierungen und Zentralbanken konnte der Brand gelöscht werden. Jetzt gilt es zu verhindern, dass Schwelbrände entstehen und dass wir noch einmal in eine solche Krise geraten können. Denn dafür sind Finanzkrisen zu kostspielig. Sie führen je nach Schätzung zu Wohlstandsverlusten von 20% bis 300% des Bruttoinlandproduktes. Es gibt keinen Zweifel, dass die Regulierung des Finanzsektors Anpassungen braucht. Die von den Banken benützten Risikomodelle wiesen den jüngsten Ereignissen eine verschwindend kleine Wahrscheinlichkeit zu. Komplexe Risikomodelle sind nützlich, können aber - wie wir einmal mehr gesehen haben - nicht allein das Finanzsystem sichern. Deshalb ist eine grosszügigere Unterlegung mit Eigenmitteln notwendig. Um zusätzlich eine möglichst einfache, risikomodellunabhängige Masszahl zu haben, ist in der Schweiz auch eine maximale Verschuldungsquote, ausgedrückt durch die so genannte Leverage Ratio, im Gespräch. Mit verstärktem Eigenkapital und Leverage Ratio sollen die Federwege der Stossdämpfer verlängert werden, sodass Schlaglöcher in den Finanzmärkten wie heute besser abgefangen werden können. Gleichzeitig gilt es, Leitplanken für die Liquidität der Banken und für Entlöhnungssysteme der Banker neu zu setzen. Entlöhnungssysteme müssen Management und Händler zu weniger riskantem Verhalten animieren. Auch muss überlegt werden, wie in Zukunft mit den Ratingagenturen umzugehen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass sie in einer Krise eine traurige Rolle gespielt haben. Schliesslich müssen die Prinzipien der Transparenz und der Verantwortlichkeit des Managements für die eingegangenen Risiken besser eingehalten werden. Bei allem Regulierungsbedarf sollte man jetzt nicht das Kind mit dem Bad ausschütten. Private Initiative ist für eine vitale Wirtschaft zentral. Die Finanzinstitute dürfen nicht durch ein enges Korsett des Staates daran gehindert werden, innovative Unternehmen und private Kunden mit Kapital und kundenorientierten Finanzdienstleistungen zu versorgen. Staatlich verordnete Löhne und staatliches Management können nicht die Antwort sein. Der Weg muss über eine international abgestimmte zielorientierte Regulierung und effiziente Finanzmarktaufsicht gehen.

