Editorial
Neue Akzente in der Aussenwirtschaftspolitik
Die Fortschritte der letzten Jahrzehnte in der Informations- und Telekommunikationstechnologie sowie bei Transport, Logistik und Prozesstechnik ermöglichen zunehmend die Aufteilung von Produktionsprozessen auf verschiedene Standorte in der ganzen Welt. Damit lassen sich die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung auch für Teilprozesse und einzelne Komponenten eines Industrieprodukts oder einer Dienstleistung nutzen. Mit dieser Globalisierung der Produktion sind erhebliche Produktivitäts- und Wohlfahrtsgewinne verbunden. Diese lassen sich aber nur realisieren, wenn den grenzüberschreitenden Waren-, Dienstleistungs- und Investitionsflüssen keine protektionistischen Hindernisse entgegenstehen. Die Bedeutung dieser Einsicht ist für die stark auslandverflochtene Schweizer Volkswirtschaft mit ihrem beschränkten Heimmarkt und inländischen Produktionspotenzial besonders offensichtlich. Auf multilateraler Ebene ist wegen des zeitlich und inhaltlich ungewissen Ausgangs der laufenden Doha-Runde der WTO kurzfristig kaum mit wesentlichen Liberalisierungsfortschritten zu rechnen. Die Schweiz ist in dieser Lage gefordert, alternative Möglichkeiten für den Abbau von Handels- und Investitionshindernissen zu nutzen, um im immer intensiveren internationalen Standortwettbewerb nicht zurückzufallen. Im Vordergrund stehen die Aushandlung weiterer Freihandelsabkommen mit wichtigen Partnern sowie autonome Massnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Gleichzeitig müssen die Bemühungen im Rahmen der WTO fortgesetzt und die bilateralen Verträge mit der EU weiterentwickelt werden. Der Ausbau unseres Freihandelsnetzes gelingt aber nur, wenn die Interessen der jeweiligen Verhandlungspartner berücksichtigt werden. Will die Schweiz Marktzugangsverbesserungen für ihre Produkte wie Maschinen, Uhren, Pharmazeutika und Nahrungsmittel sowie für Dienstleistungen erreichen, muss sie ihrerseits in der Lage sein, den Marktzugang für die Exportprodukte der Verhandlungspartner zu verbessern, wenn nötig auch im Agrarbereich. Da die Schweiz mit dem Abschluss von Freihandelsabkommen unter anderem das Ziel verfolgt, Diskriminierungen zu vermeiden, die sich aus analogen Präferenzabkommen zwischen anderen Staaten ergeben, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Reihe von Studien über die Freihandelsnetze anderer Länder und Handelsblöcke in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind im vorliegenden Heft zusammengefasst.

